Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

mein bisheriger politischer Weg war von Höhen und Tiefen geprägt. Lange Zeit war ich in der Christlich Sozialen Union in Bayern (CSU) an vorderster Stelle, was die Beliebtheit innerhalb der Partei anging. Dies drückte sich beispielsweise in sehr guten Wahlergebnissen aus, die ich seit 1989 jeweils als Vorstandsmitglied der Partei auf Landesebene erhielt.

In dieser Zeit war ich Aushängeschild der Partei, nicht nur in meiner mittelfränkischen Heimat, sondern bedingt durch meine langjährige Tätigkeit in der Jungen Union auch in ganz Bayern. Hinzu kam meine sensationelle Wahl als Landrätin des Landkreises Fürth im Jahre 1990, wo ich in einer Stichwahl meinem Vorgänger aus der SPD das Amt streitig machten konnte.

Diese Erfolgsgeschichte fand ihren krönenden und dann wiederum auch fast unrühmlichen Abschluss an dem Tag im Herbst 2006, als ich den damaligen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber aufforderte, nicht erneut für dieses Amt an der Spitze Bayerns zu kandidieren. Seine Beliebtheit war in der Bevölkerung durch nicht eingehaltene Versprechen in Bezug auf die Verkürzung der Gymnasialzeit und vor allem auch wegen des strikten und nur an wirtschaftlichen Fakten orientierten Sparkurses sehr gesunken. Auch seine Absage für das Amt des Bundeswirtschaftsministers bei der Bildung der Bundesregierung im Jahre 2005 traf auf großes Unverständnis in der bayerischen Bevölkerung, zumal Dr. Stoiber drei Jahre zuvor als Kanzlerkandidat für die Bundesrepublik Deutschland sein nur Ziel knapp verfehlt hatte.

Meine damals vorgetragene Kritik, die der Stimmungslage in der Bevölkerung entsprach, brachten ihn dann zwar letztlich zum Fall. Gleichzeitig begann jedoch gegen mich eine unsägliche öffentliche Gegenoffensive, die bis heute anhielt.

Deshalb habe ich auf den folgenden Seiten meiner Homepage versucht, einige Etappen meines politischen Lebens zwar umfangreich – aber dennoch nur bruchstückhaft – darzustellen. Sie können sich einen Eindruck davon machen, wie manche Menschen um ihre Positionen kämpfen und bereit sind, dafür alles zu opfern, ihre Hochachtung vor sich selbst und anderen, ihre Liebe zu ihrem Beruf, ihre Zuversicht für eine bessere Welt.

Und am Schluss opfern sie sich dem Drang nach Macht bis zur Selbstaufgabe.

Diesen Prozess habe ich immer wieder erlebt, auch als ich dann im Jahre 2008 bei den Freien Wählern neu begann und diese mit einem glänzenden Wahlerfolg in den Bayerischen Landtag führen konnte. Da gab es ebenfalls wieder Neid und Missgunst bis hin zu internen intriganten Rivalitäten.

Immer wieder sind die gleichen Mächte am Werk, die den Menschen nicht in seinem Herzen erfassen, sondern Menschen zum Instrument eigener Interessen machen. Damals wollte ich die Freien Wähler zu einer bürgerfreundlichen Bewegung mit Ehrlichkeit und Respekt vor dem Willen der Menschen bundesweit ausbauen.

Aber meine Vision konnte ich dort nicht umsetzen. Nach meiner Europakandidatur im Jahre 2009 nahm man einen lediglich konstruierten Grund zum Anlass, mich aus den Reihen der Freien Wähler auszuschließen. Auch die Gründung einer neuen Partei, der Freien Union, fiel dem Egostreben vieler Menschen zum Opfer, die ihre Energie nicht konstruktiv einsetzten, sondern destruktiv das wunderbare Programm dieser Partei vernichten wollten. Ich konnte und wollte mich diesem internen Gemetzel auf Dauer nicht aussetzen. Ich verließ wiederum auch diese von mir gegründete Partei und nahm ohne Parteizugehörigkeit weiter mein Mandat im Landtag wahr.

Allerdings war damit wohl erreicht, was manche sich erwünscht hatten. Die ehemalige sehr erfolgreiche Politikerin, die ich war, wurde zur Abgesandten der Ruhenden. Ich konnte in dieser Rolle nichts mehr bewegen, konnte seitdem bis heute keine eigenen Gedanken mehr umsetzen oder auch nur im Ansatz vortragen. Mit einer Redezeit von 3 Minuten, die manchmal auf 5 oder sogar einmal auf 7 (!) Minuten verlängert wurde, ist es nicht möglich, wirkungsvoll an Landtagsdebatten teilzunehmen. Diese Situation wird bald ein Ende finden. Nicht, weil ich meine, dass ein von mir eingereichter Antrag , den Status einer „Gruppe“ von Abgeordneten zu klären, Erfolg haben könnte und ich damit mit einem Schlag fraktionsähnliche Arbeitsbedingungen hätte, sobald ein weiterer Kollege ebenfalls seine Fraktion verlassen würde. Diesen Antrag habe ich zwar gestellt, aber er wird wie andere von mir eingebrachte Beiträge keine Unterstützung finden. Die Landtagsabgeordneten der Fraktionen haben sich weitgehend darauf verständigt, meine Ideen generell nicht anzunehmen.

Ich kann heute diese Vorgänge im Nachhinein noch besser verstehen. Bei allem geht es um ein Thema: viele Abgeordnete – und da sind sie Spiegelbild der Bevölkerung – finden den Bezug zum Sinn ihres Daseins nicht mehr. Sie sprechen zwar von Werten, nennen sich christlich, leben nach starren Ritualen, die angeblich gottgeführt sind, aber brechen diese gleichzeitig. Sie sind im Grunde sehr weit weg von dem eigenen Leben, von einem Leben, dass sie mit sich im Einklang führen könnten. Diese innere Harmonie könnte sich in vielen weisen Entscheidungen ausdrücken, sie fehlt jedoch. Deshalb habe ich auch in einer vor kurzem am 12. April dieses Jahres gehaltenen Landtagsrede nur ein Thema behandelt: den mangelnde Bezug zu Gott. Diese Rede war keine Rede im herkömmlichen Sinne. Ich habe mich da in der Tiefe mit meinem inneren Selbst verbunden, es war eine Art Meditation, aus der heraus ich zu den Abgeordneten gesprochen habe, ohne die üblichen Angriffe, sondern voller Offenheit und Harmonie, die ich in mir fühlte und die mich dazu bewog, auf unsere Wurzeln hinzuweisen. Ich möchte diesen Weg weiter gehen, verbunden mit sehr konkreten Forderungen an die Politik, die ich demnächst in einem Buch nieder schreiben werde.

Dieses Buch wird im nächsten Jahr erscheinen und wird nicht nur mein politisches Leben beleuchten, sondern auch viele Gedanken, die ich aus der Rückschau für das zukünftige politische Handeln entwickeln konnte. Was ich einmal hinter lassen werde, sind nicht Baudenkmäler, von denen es auch in „meinem Landkreis“ einige zu nennen gäbe. Vielmehr motiviert mich die Zuversicht auf eine Welt, in der Menschen ihren Wert erkennen. Mein Wunsch ist es, dass sie auch durch Entscheidungen politischer Gremien den Weg zu sich und zu der in ihnen wohnenden Kraft erkennen.

Ich werde weiterhin alles daran setzen, mich ohne Vorurteile, Angriffe und Verletzungen anderer politisch einzubringen. Sich für Menschen einzusetzen, ist kein Kampf, sondern wird begleitet von einer höheren Führung, die alles, was wir mit Liebe für andere beabsichtigen, zum Erfolg werden lässt. Dieser Erfolg lässt sich nicht unbedingt mit herkömmlichen Maßstäben messen, er ist das, was man mit sich selbst vereinbaren kann. Er erfüllt uns mit Glück und Zufriedenheit, nicht unbedingt mit Anerkennung, Reichtum und Karriere. Erfolg ist, wenn man sich selber folgt. Dies tue ich gerne mit dem Ziel, einen Beitrag zu einer glücklicheren Welt zu leisten.

Ihre
Dr. Gabriele Maud Pauli
Mitglied des Bayerischen Landtags

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